Männlein oder Weiblein? Ein Experiment soll aufklären.
Sep 9th, 2007 by Simon Künzler
Wer kennt das als intensiver Nutzer virtueller Welten nicht: Im Chat mit einem vermeintlich weiblichen Avatar findet man die Ausdrucksweise und das Gebahren seines virtuellen Gegenübers irgendwie «sonderbar». Bis man schliesslich und plötzlich feststellt: Das steckt unmöglich eine Frau dahinter, das muss ein Mann sein! Natürlich geht das Spiel auch umgekehrt, nur ist anzunehmen, dass sich eher Männer als Frau ausgeben als umgekehrt.
Der Spiegel hat schon damals von einem «digitalen Maskenball» gesprochen, drängen sich virtuelle Welten doch förmlich auf, mit verschiedenen Rollen in der Parallelwelt zu spielen oder zu experimentieren.
Jetzt soll ein wissenschaftliches Experiment für Aufklärung sorgen, welches ab Herbst die Geschlechterrollen in Second Life untersucht: [via ictnetwork.ch]
Unter der Ägide der Wirtschaftsinformatikerin Mareike Schoop von der Universität Stuttgart-Hohenheim tauchen mehrere hundert Studierende in die virtuelle Welt ein. Schoops These ist dabei, dass der Mensch auch als digitales Alter Ego seinem Geschlecht treu bleibt. Deshalb geht die Wissenschaftlerin davon aus, Männer und Frauen unterscheiden zu können – unabhängig davon, welches Geschlecht ihr Avatar hat.
Die Studenten werden, während sie im Internet agieren, beobachtet. Am Bildschirm befinden sich diskrete Kameras, die registrieren, wohin die Augen sehen und wie lange sie dort verweilen. Dadurch kann man zum Beispiel erkennen, inwiefern der Avatar des Partners für den Dialog überhaupt wichtig ist. Da die Studenten auch noch ihre Gedanken und Reaktionen aussprechen, kann der Ablauf genau dokumentiert werden.
Die internationale Forschungsgruppe, der Schoop angehört, untersucht die Kommunikationsqualität in elektronischen Verhandlungen, insbesondere im internationalen Zusammenhang. Mehrere hundert Studierende aus Australien, Österreich, Deutschland, Taiwan und den USA nehmen daran teil.
Sind wir gespannt auf die Ergebnisse.